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aotearoa - die reise


Kurzer Bericht über das Maori-Projekt und die Reise nach Aotearoa


Ende März kam ich in Auckland an. Zunächst versuchte ich, die von Deutschland aus geknüpften Verbindungen zu erneuern, um schnellstmöglichst Kontakte zu den Maori zu bekommen. Diese Hoffnung mußte ich sehr bald begraben. Vereinbarte Termine wurden abgesagt, ins Auge gefaßte Kontakte kamen nicht zustande. Meine Teilnahme am Maori-Art-Festival in Napier, welches die Terminierung meiner Reise bestimmte, war unmöglich, da es abgesagt worden war, was ich allerdings erst dort bei meinem Eintreffen erfuhr. Eine Grippe warf mich die erste Woche in Wellington zu Boden; ich war ziemlich verzweifelt.

Nach eineinhalb Wochen machte ich mich mit einem gemieteten Auto von Welligton aus zur Südinsel mit der Fähre über die Cook-Strait auf den Weg. In der Hoffnung, daß mir Rangi Tinirau, ein am Franz-Josef-Glacier lebender Ariki (Erstgeborener einer Häuplingsfamilie) weiterhelfen würde.

Die Route dorthin wollte ich über die Pässe der Southern Alpes nehmen, um am Ende wenigstens ein geographisch relevantes Abbild dieser Insel zu gewinnen. Über den Lewis- und Arthur's-Pass erreichte ich die West Coast. Am Franz-Josef-Glacier, dem längsten neuseeländischen Gletscher, der seinen Ursprung im Mt.Cook(Aorangi)-Massiv, dem höchsten Berg Aotearoas hat, konnte ich Rangi treffen. Er war von meinen Terragrafien, dem "Maori-Projekt" begeistert. Er erklärte mir die Bedeutung der Bergpässe für die uralten Wege der Maori zum Pounamu (Greenstone oder Jade). Dieser Stein ist nur in einem kleinen Gebiet der West-Coast zu finden und diente zur Herstellung von Werkzeugen, Schmuck und Waffen. Er selbst, ein "Immigrant" von der Nordinsel ohne Befugnisse auf diesem Terrain, arrangierte ein Treffen mit den Bruce-Bay-Leuten, den dort lebenden Maori. Diese gaben mir die Erlaubnis zur ERDgewinnung, ohne aber weitergehende Informationen oder Geschichten zu geben, die mich zu speziellen Plätzen der Maori geführt hätten. Es ergab sich eine Diskussion über verschiedene Aspekte mein Vorhaben aus der Sicht einer Maori-Gruppe. In den folgenden Tagen wurde ein norddeutscher Journalist zur Überwindung der Sprachbarriere hinzugezogen. Diesem blieb aber meine Arbeit fremd, und er riet mir dringend, das Projekt aufzugeben oder meine Pläne zu ändern.

Nur die einzigartige Landschaft hielt mich einigermaßen bei Stimmung. Ich wollte nur noch das Greenstone-Weg-Projekt mit den ERDEN des Harper-Passes komplettieren, um dann mein Glück auf der Nordinsel zu versuchen. Der Harper-Pass ist der direkteste Weg zur West-Coast und wurde seit Jahrhunderten von den Maori benutzt. Heute führt ein Fuß-Track über diesen Paß. Die zum Ende des Sommers angeschwollenen Flüsse machten ein Durchqueren unmöglich, so daß ich den Weg von zwei Seiten angehen und die doppelte Strecke absolvieren mußte. Der Zustand meiner Füße zwang mich zwei Stunden vor Erreichen des Passes zur Umkehr, um heil aus dieser menschenleeren Gegend herauszukommen. So fehlt dieser Punkt im Netzwerk der Pounamu-Wege.

Der Zufall oder das Glück wollte es, daß die Recherchen eines Berliners, den ich in der letzten Hütte dieses Tracks kennengelernt hatte, der schon 30 Jahre auf dieser Seite der ERDE lebte und sich von meinem Projekt anstecken ließ, Erstaunliches ergaben: Die in den ersten Tagen auf South Island gewonnenen ERDEN fügten sich nahtlos an diesen Weg an. Mit 26 ERDEN war der South-Island-Part "TE ARA POUNAMU" (Der Weg zum Grünstein) des Maori-Projektes abgeschlossen.


Nach den auf South Island gewonnenen Erfahrungen, formulierte ich das Projekt neu. Nelson Wattie übersetzte dieses und versorgte mich mit einem großen Packen Kopien. Sylvia Kaa, eine deutsche Linguistin, die mit einem Maori verheiratet ist, gab mir nach anfänglicher Skepsis wertvolle Hinweise und den Rat zur Vorsicht. Mit einer Ladung Papier und dem inzwischen angefertigten Druck-Equipment verließ ich Wellington Richtung Norden.

Wiederum durch einen Zufall lernte ich in Ashhurst John Bevan Ford, einen bekannten Maori-Künstler kennen. Er war von meinen Terragrafien so gefesselt und von meinem Projekt so begeistert, daß wir, die Sprachschwierigkeiten völlig außer Acht lassend, bald in ein intensives Gespräch verwickelt waren. Ich konnte mein Bücher-Wissen korrigieren und um einiges erweitern. Über ihn und seine Kunst bekam ich endlich auch Zugang zur inhaltlichen Bedeutung, Vielschichtigkeit und Tiefe der Maori-Kunst, die ungewöhnlich eng mit der Maori-Mythologie und -Philosophie verwoben ist. Nach Rücksprache mit seinem Kaumatua (Ältesten) gingen wir zwei Tage später zusammen zum Manawatu-River, gruben ERDE, und er erzählte mir mehrere Geschichten zu diesem Platz, mehr als ich mir erhofft hatte.

Versehen mit einem Packen Kontaktadressen ging es weiter Richtung Norden. In Rotorua, dem geothermisch und leider auch touristisch aktivsten Gebiet Aotearoas, traf ich Christian Kirchhof, der am dortigen Polytechnic studierte. Er hatte seinen Tutoren mein Konzept und einige Arbeiten gezeigt. Ich wurde gebeten eine Vorlesung im Art Department zu halten. Am Tage des Ereignisses war Chr.K., der übersetzen wollte, unauffindbar, so daß ich nach einem akademischen Viertel diese Vorlesung in Englisch, durch Diapositive bereichert, "vollführte". Die Resonanz war überwältigend und hatte Folgen: Das Polytechnic organisierte und bezahlte eine Geländewagenfahrt auf den Mt. Tarawera, einem vor einhundertzehn Jahren verheerend ausgebrochenen Vulkan. Ich erhielt auch die von mir gewünschten Erlaubnis zur ERDentnahme. Tina Wirihana schöpfte mit mir in ihrer Klasse für Flax-Weaving Flachspapier für mein geplantes Buch. Emily Rangitiaria Schuster, der Kopf des New-Zealand-Maori-Arts-and-Crafts-Instituts, gab mir die Erlaubnis und begleitete mich beim Graben auf dem Thermal-Gelände von Whakarewarewa. Zuguterletzt wurde die Idee geboren, mein geplantes Buch "RUAUMOKO" (das ungeborene Kind von Papatuanuku, der Mutter ERDE und Wächter über Vulkane und Erdbeben) im Polytechnic mit einem Einband aus Flachs-Weberei fertigzustellen. Dies ist im nächsten Jahres geplant. Inzwischen erhielt ich auch die Zusage, daß Hone Tuwhare, ein bekannter und bedeutender Maori-Dichter, Gedichte für dieses Buch beisteuern wird. Eine Ausstellung im Rotorua-Museum ist im Gespräch.

Nunmehr überglücklich fuhr ich über die Coromantel-Halbinsel und Auckland weiter nach Norden in die Bay of Islands. Dort stellte mir Peter Kraus, ein in Neuseeland lebender Deutscher, großzügig Wohnung und eine Riesengarage in traumhafter Umgebung zur Verfügung. Ich richtete eine provisorische Druckwerkstatt ein und begann mit den Druckarbeiten.

Jetzt fuhr ich noch nach Dargaville an die Westküste des North Island, wo Colleen Urlich und Manos Nathan, zwei Maori-Künstler, die von John Bevan Ford auf meine Arbeit aufmerksam und neugierig gemacht worden waren, mich erwarteten. Sofort stellte sich ein unerwartet herzliches Verhältnis ein. Manos, der aktiv in der Landrechtsbewegung der Maori involviert ist, hatte die nächsten Tage unmöglich Zeit, so fuhren wir auf der Stelle los in den Waipoua-Forest. Dort, wo bis zu 2000 Jahre alte und mehr als 25 Meter Umfang messende Kauribäume stehen, gruben wir gemeinsam ERDE. Der von mir so erwünschte dritte Teil des Aotearoa-Projekts, "KOKOWAI", das heilige Rot der Maori, war Realität geworden.

Der letzte Weg führte mich ans Cape Reinga, wo die Seelen der Maori auf ihrem Weg nach Hawaiki, der mythologischen Insel ihrer Herkunft, an einem Pohutukawa-Baum hinab ins Meer steigen.


Es wurden insgesamt 52 ERDEN gewonnen. Alle Terragrafien habe ich in Aotearoa in den Größen 39 x 39 bzw. 27 x 27 cm und einer Auflage von 5 bzw. 3 Exemplaren gedruckt. Die Nş 1/x wurde dem Maori-Stamm zurückgegeben, auf dessen Gebiet sich die Fundstelle befindet.


München im Juni 1996



1997 fuhr ich ein zweites Mal nach Aotearoa. An der Ost- und Westküste von WAIPOUNAMU, wie die Ngai Tahu ihr Land, die Südinsel Neuseelands nennen sammelte ich MAUKOROA. So wird das KOKOWAI dort genannt. Damit besteht dieses Werkteil nun aus zehn Teilen und repräsentiert die Nord- und Südinsel.

In Rotorua installierte ich dann eine Ausstellung mit meinem Aotearoa-Projekt. Dort stellte ich auch mit Hilfe von Tina Wirihana das "RUAUMOKO-Buch" fertig. Sie flocht mit ihren Leuten den Flachsumschlag in Form eines Maori-Umhangs. Das Exemplar-Nş I des Buches gab ich zur Eröffnung der Ausstellung im Rotorua Museum of Art and History an die TE ARAWA zurück


Ekkeland Götze, München im Juli 1997